Guter-Hirte-Brief-zum Sonntag 21.06.2020

Liebe Leser,

in dieser Woche kam eine Nachricht, die viele als Erlösung empfanden, junge wie ältere: Es ist kein Katastrophenfall mehr. Man darf sich wieder treffen.

RegenbogenDas Leben nimmt wieder Fahrt auf. Familien und Freunde wagen wieder Besuche, das Einkaufen ist wieder leichter, der Gang nach draußen scheint nicht mehr so bedroht. Und viele fangen an, neu zu planen, den Urlaub, das Familienfest. Jeden Tag gibt es aber auch neue Prognosen zu lesen oder im Fernseher zu sehen, wie die Folgen der Krise sein werden für Wirtschaft, Bildung, Kultur. Je nachdem, ob man eher ein Optimist ist oder ein Pessimist ist, fällt die Prognose anders aus. Da kann einem manchmal schon wieder Angst werden beim Blick in die Zukunft.

Falsch, sagt der Zukunftsforscher Matthias Horx:  Es ist besser, das Gute einer Krise festzuhalten und daraus zu lernen. Er hat vorgeschlagen, statt Prognosen lieber eine  Re-gnose vorzunehmen. Stellen wir uns lieber vor, sagt er, wir schauen im nächsten Jahr zurück auf 2020:
Worüber werden wir uns rückblickend wundern? Was wird an Positivem zu bewahren sein?

Worüber werden also Sie sich wundern?  Vielleicht dass Sie einiges Neues kennengelernt haben? Den Nachbarn vielleicht, der für Sie eingekauft hat oder Hilfe angeboten hat. Dass man auf vielen Gebieten neue Wege gefunden hat in der Zeit der Krise vielleicht:  Gute-Hirte-Briefe wurden geschrieben und es fanden sich immer Menschen, die sie gerne überbrachten. Enkel schrieben Briefe oder zeigten den Großeltern, wie ein Tablet funktioniert.

Ein Lied aus unserem kleinen Gesangbuch macht genauso so eine positive Rückschau: Es ist die Vertonung eines Wortes aus dem Psalm 103: 
Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Dem Psalmbeter – so lese ich aus der Bibel heraus – geht es noch nicht gut. Er lebt gerade noch mitten  in der Krise: Er sagt: Gott  wird doch nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.  Im Moment fühlt er sich noch von Gott verlassen. Aber er wagt es, vorausschauend zu sagen: Ich will meinen Gott loben, und nicht vergessen, was er alles in der Rückschau schon Gutes für mich getan hat in meinem Leben. Aus diesem Psalm 103 kann Kraft und Zuversicht erwachsen. Lesen Sie ihn doch einmal nach!

Dass ist mein Wunsch zum Sonntag für Sie, dass Sie das nächstes Jahr auch sagen können: Wenn ich zurückschaue auf 2020, diese seltsame, verrückte, auch oft einsame Zeit, dann nehme ich mit, dass ich an ungewohnter Stelle Quellen der Kraft gefunden habe: In einem Gebet, einem Brief, einem Menschen, der mich anrief. Mögen Sie dann sagen können: Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

Ihre Pfarrerin Gabriele Töpfer

Kehrvers:

Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen.
Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen.
Lobe, lobe den Herrn, loben den Herrn, meine Seele.
Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele

1. Der meine Sünden vergeben hat,  der mich von Krankheit gesund gemacht, den will ich preisen
mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

2. Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen: Lobet den Herrn, meine Seele …..

Drucken